Im ersten Teil unserer Interviewreihe zum Thema Sneakerjournalismus sprachen wir mit den Bloggern von Sneakerzimmer. Nun widmen wir uns dem Bereich Print.

Sneakerjournalismus als Printmagazin vom Sneakers Magazine

Holger von Krosigk war einer der renommiertesten Skateboarder, die es um die Jahrtausendwende in diesen Breitengraden gab. Nach dem Ende seiner „aktiven“ Laufbahn, widmete sich Holger dem Sneakerjournalismus, war das Thema Turnschuh doch auch in der Skateboardszene schon immer ein wichtiges wie präsentes. Heute ist Holger Chefredakteur einer der wenigen Printmagazine aus Deutschland, die sich mit dem Thema Sneaker und Streetwear beschäftigen. Wir sprachen mit dem Kopf hinter dem Sneakers Magazine.

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Holger, wie kam es zu der Entscheidung, dich mit dem Thema Turnschuhe auseinandersetzen zu wollen?
Skateboarding hat mich schon sehr früh mit der Thematik in Berührung gebracht. Style spielt da natürlich immer eine Rolle, aber auch natürlich die reine Funktionalität von Schuhen – der Schuh ist die direkte Verbindung zwischen dir und deinem Board. So habe ich natürlich damals alles mitgenommen – Vans Halfcab, éS Footwear, vorher noch Converse Weapon, Chuck Taylor oder Dunks, dann die ganze adidas Gazelle und Puma Suede Geschichte. Durch meinen Sponsor DC hatte ich dann ein „Schuh Budget“ von vier Paaren im Monat, das war dann genug, um mich zu infizieren. Der Übergang zu allem anderen ging dann fließend und ich merke immer wieder, wie meine Arbeit mich jeden Tag von neuem motiviert und begeistert. Es ist schon ziemlich interessant, diese Entwicklung aus der ersten Reihe mit anzusehen.

„Mir ist es wichtig, die große Story dahinter zu zeigen“

Was ist dir besonders wichtig, wenn du über das Thema schreibst? Warum glaubst du, lesen die Leute das Sneakers Mag?
Mir ist wichtig, dass alles eine gewisse Tiefe hat. Es geht nicht nur um neue Farbwege oder Designs, ob etwas breiter, schmaler oder technischer ist, sondern um die Story dahinter. Wir leben in einer Kultur, die ständig neu definiert wird und Footwear Design ist ein Ausdruck von unendlich vielen Einflüssen. Mir ist wichtig, dass wir immer wieder die größere Story dahinter zeigen. Ich glaube, dass Leute diese Perspektive zu schätzen wissen und natürlich die Tatsache, dass wir exklusiven Content selbst produzieren. Wir versuchen so gut es geht, über das tägliche Business hinaus – welcher Schuh kommt wann? – Akzente zu setzen und Stories zu erzählen.

Das Sneakers Magazine ist ein Printmedium, gleichzeitig seid ihr aber natürlich auf den sozialen Plattformen vertreten. Welches Outlet ist für eure Arbeit im Sneakerjournalismus aktuell am relevantesten?
Für uns sind alle Medien auf ihre Art und Weise wichtig und sie ergänzen sich. Aber es verändert sich auch ständig. Facebook ist einer unserer wichtigsten Kanäle, aber auch wir müssen immer wieder am Ball bleiben und uns neu ausrichten. Instagram wird von Tag zu Tag wichtiger, aber ergibt ja auch Möglichkeiten, auf die anderen Kanäle einzugehen. Dieses gegenseitige Befruchten ist eigentlich das Interessante: Du machst Instagram Stories über deine Print Artikel, diverse Influencer posten stolz das neue Sneakers Mag und verlinken uns, woraufhin plötzlich neue Print Magazine bestellt und Abos abgeschlossen werden. Die Grenze ist sehr fließend geworden. Und logisch, Print ist bei uns immer noch ein zentrales Thema und unser Alleinstellungsmerkmal. Mein tägliches Equipment ist dabei recht vielfältig. Neben dem typischen Mix aus Smartphone, Macbook und iMac natürlich diverses Fotoequipment. Ich mache auch selbst viele Fotos und bin ziemlich flexibel, da kann die ganze Artillerie an Blitz Equipment zum Einsatz kommen, oder auch mal nur eine kleine Fuji.

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„Es war noch nie einfacher als heute, den Einstieg in die Medienwelt zu finden“

Über welches Themengebiet sprichst du persönlich am liebsten? Wo geht dir das Herz auf?
Mein Herz geht auf, wenn ich merke, dass wir bei Themen dabei sein dürfen, die die Zukunft bestimmen. Menschen treffen, die Dinge verändern. Mit Leuten wie Nic Galway oder Tinker Hatfield über Design sprechen, Alexander Taylor interviewen und zusammen mit ihm durch sein Studio gehen und Prototypen anschauen, mit Studio Hagel in Amsterdam völlig abgefahrene Experimente diskutieren – solche Dinge.

Und dein bisheriges Lieblingsprojekt?
Alle Interviews, die ich bisher geführt und oben schon teilweise genannt habe. Ich nehme mir viel Zeit für solche Termine und reise auch jederzeit nach London, Paris oder Amsterdam, um die Portraits zu machen oder das Gespräch zu führen. Ansonsten müsste ich lügen, wenn ich sagen würde, dass es keinen Spaß macht, von adidas zum NMD Launch nach New York oder mal eben zu einem EQT Event nach Miami eingeladen zu werden. Danke dafür an dieser Stelle.

Welchen Tipp hast du für die Leute da draußen, die auch Bock haben in den Sneakerjournalismus einzusteigen?
Journalismus, nicht nur Sneakerjournalismus, hat auf allen Gebieten etwas damit zu tun, ob man sich mitteilen will. Wer irgendetwas zu sagen hat, egal mit welchem Medium, der wird ganz von alleine diesen Weg gehen. Es war noch nie einfacher als heute, den Einstieg in die Medienwelt zu finden, aber zugleich natürlich auch noch nie komplexer, damit auch Geld zu verdienen.

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„Im Mix mit anderen Kanälen ist Print eine Waffe“

Die ewige Diskussion um Print. Von den einen geliebt, für andere ein längst totes Medium. Wie stehst du zu dem Thema?
Print als Medium, um Informationen zu übermitteln, ist tot. Print muss auf dem nächsten Level produziert werden – als schön designtes Sammlerstück fürs Regal. Zeitlos aber zeitgemäß, haptisch interessant. Dazu im Mix mit anderen Kanälen ist Print eine Waffe. Du hast immer dasselbe Smartphone in der Hand und die durchschnittliche Verweildauer auf einem Artikel ist so kurz geworden, dass man es kaum schafft, Menschen wirklich zu erreichen. Ich habe zu unserer letzten Ausgabe mit mehreren Interview-Partner gesprochen, die mir ihre Gefühle beim Durchblättern geschildert haben. Einer musste weinen (!), eine Instagrammerin war so ergriffen, dass sie zittern musste und ein dritter hing sich das komplette Magazin mit seinem Opener in einen Bilderrahmen auf. Versucht selbst mal diese drei emotionale Zustände auf anderem Weg zu erreichen. Print ist nur kein Selbstläufer, aber das ist kein Medium heute.

Zu guter letzt: Top 3 Sneaker ever?
Reebok Workout Plus, weil es für mich einer der klassischsten Schuhe ist ohne langweilig zu sein. Weiß mit Gum-Sohle erinnert mich so schön an alte KCK’s (Duffs/Axion, Kareem Campbell). Nike Vaporfly 4%, für mich der beste Laufschuh den es momentan gibt. Ich fand die ganze Story um Breaking 2 ziemlich inspirierend. Und natürlich Ultraboost OG, weil es für mich der Schuh ist, der eine neue Ära eingeleitet hat.

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Sneakers Magazine online:
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photos: Johannes Höhn / Kane / Helge Tscharn / HvK

5 Kommentare

  1. Holger weiß schon Recht: Es war nie einfacher was mit Medien zu machen… Leider führt das aber auch dazu, dass sich Leute berufen fühlen, die nichts damit zu tun haben und die journalistischen Grundsätze nicht einhalten. Das ist bedenklich, wird aber in Zeiten von Entertainment und Like-Geilheit ignoriert. Ich hoffe, die Menschheit bedingt sich eines besseren.
    Das Sneakers Mag lese ich übrigens gerne dann und wann mal. SneakerFreaker gefällt mir aber immer noch einen Ticken mehr.

  2. KRASS! wusste gar nicht, dass das der ist. das skateboarder-bild hatte ich damals in meinem kinderzimmer hängen weils son heftiger trick war lol haha

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